Das Ding mit der Leine



Bin bereit. Wo geht's hin?


Es gibt kaum ein leidigeres Thema als die Leinenführigkeit. Schaut man nur einmal auf die nächste Straßenseite kommt gerade der 1-jährige Schäferhund mit seinem älteren Herrn an der Leine vorbeigezerrt, weil der übergewichtige Flexileinenpfiffi von der netten Rentnerin 10m weiter Terror macht. Es gibt unzählige Beispiele und ich behaupte das gut 50% der Hunde nie gelernt haben an einer Leine zu laufen, aber ich kann euch sagen JEDER HUND KANN ES LERNEN.



Auch unser Weg war in der Beziehung SEHR steinig. Manchmal lag ich Nächte lang heulend im Bett, weil Ilari mich wieder durch den Wald gezerrt hat. Mein Arm hätte gefühlt mein Oberschenkel sein können, aber wer gibt sowas denn schon gerne zu? Wir berichten doch lieber von den Dingen die super laufen, um ordentlich gelobt zu werden. Heute mal nicht.



Trotz etlicher Hundetrainer war bei uns keine Besserung in Sicht. Wir sind hin- und her gelaufen, haben geclickert oder an der Leine geruckt, sogar Wasser ins Gesicht spritzen war dabei. Bei der Mehrzahl der Versuche greife ich mir heute im Nachhinein an den Kopf, aber wir haben uns eben auf die Fachkenntnis der Hundetrainer verlassen. Das nicht jeder Hundetrainer auch gleich ein Hundetrainer ist, durften wir sehr früh herausfinden.

Genug aber des Gejammers. Wir haben es nach den vielen Fehlversuchen trotzdem geschafft eine Methode zu finden, die zu uns passt.

Was mit Leine geht - geht auch ohne!

Was ist wichtig?


1. Ein Ziel vor Augen haben.

Jetzt werden viele lachen. "Na mein Ziel ist das er nicht mehr zieht." Ja klar, aber was soll Hund denn stattdessen tun? Soll er hinter mir, neben mir oder vor mir laufen? Wenn DU nicht genau weißt, was du willst, woher soll es dann dein Hund wissen?

2. Umsetzung überlegen.

Habe ich mich entschieden wie ich ab sofort mit meinem Hund rausgehen möchte, muss ich mir genau überlegen wie ich es umsetzen kann. Dabei gibt es unendlich viele Methoden und jeder Hund spricht auf eine andere an.

3. Konsequent bleiben.

Zu guter Letzt geht es darum die erarbeitete Methode auch wirklich immer umzusetzen. Und nein, es ist nicht okay, wenn wir nur mal schnell zum Bäcker hetzen und es dabei nicht sooooo genau nehmen. Wir können von unserem Hund schließlich keinen ständigen Gehorsam erwarten, wenn es dauernd Ausnahmen gibt.


Fleißarbeit die sich auszahlt. 


Wie haben wir es gemacht?


Natürlich wollen wir euch auch unser kleines Heilmittel verraten. Unser Ziel war es, das Hund neben uns läuft. Quasi "bei Fuß". Ausgangssituation ist natürlich immer ein aufmerksamer Hund. Dafür könnt ihr ihn beim Namen nennen und wenn er nicht reagiert anstupsen. Ist er aufnahmebereit kann es losgehen. Ihr gebt ein Kommando eurer Wahl oder auch nicht und lauft ruhig los.

Krieg ich jetzt nen Keks? *glubsch*


Dazu haben wir ihm verboten uns zu überholen. Immer wenn er ansetzen wollte, schwupps blockierte das Bein oder die Hand den Weg nach vorne und ein kurzes verbales "Hey." (normale Lautstärke!) unterstrich den Fehltritt. Wenn ihr schon ein Abbruchsignal habt, lässt sich das super kombinieren. Dann haben wir kurz gewartet und weiter ging es. Ilari hat relativ schnell begriffen: "Okay es hat keinen Sinn zu überholen. Dann bleib ich halt neben dir."



Schaut euren Hund an und wendet euch ihm zu, wenn ihr ihn blockiert. Um das Ganze etwas aufregender zu gestalten, können Tempo und Richtungswechsel eingebaut werden.

Was mich an der Methode so sehr überzeugt hat, ist die Alltagstauglichkeit. Das ständige und frustrierende Hin und Her hatte ein Ende. Ich konnte einfach zum Bäcker gehen ohne eine halbe Stunde unterwegs zu sein, weil ich aller 2m umdrehen musste. Außerdem brauch ich für diese Variante keine Leckerchen.

Natürlich interessiert mich immer auch wie ihr es gemacht habt. Also ab in die Kommentare damit! :-)

Kommentare:

  1. Suuuuper Beitrag ! Wirklich ganz dickes Lob.

    Ich bin auch kein großer Fan von 200x Richtungswechsel und stehenbleiben.
    Wir haben es genauso gemacht - unsere Hunde wurden geblockt, mit Ruhe arbeiten ist viel wichtiger als ein hin und her gezerre.
    Bei uns heißt es dann Aaa Aaa *Zeigefinger hoch* und die Hunde wissen - O.K. wir waren zu weit in die Leine gelaufen, schnell wieder zurück ;)

    Liebe Grüße, Carola

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    1. Vielen Dank ihr Lieben. Für uns war das auch die beste Methode, welche am schnellsten geklappt hat. :-)

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  2. Super Beitrag. Wir versuchten uns auch am Anfang an den drehwurmverursachenden Richtungswechsel. Leider entdeckten wir erst viel später, dass es auch anders geht. Dein Bericht wird bestimmt vielen helfen, das locker ander Leine gehen in den Griff zu bekommen.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

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    1. Danke für die lieben Worte!

      Das ging bestimmt vielen so. Super das ihr dann doch noch die richtige Variante für euch entdeckt habt. :-)

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  3. Machen wir auch überwiegend so 😉
    Ich finde eher bei permanenten Richtungswechsel drehen Hunde, die ohnehin recht aufgedreht sind und unter akuter Reizüberflutung leiden, völlig am Rad und es bringt eher Unruhe rein. Wir machen auch MAL einen Richtungswechsel, das kommt auf die Situation an, aber ansonsten wie du schreibst: Körpersprache, RUHE, das ganze verbal unterstützen und dann haben die das recht schnell drin - wenn man eben konsequent ist ;-)

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    1. Die Erfahrung haben wir auch gemacht. :-)

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  4. Hehe bei uns gibt es auch die Verwarnung mit "hey" aber ohne Hand oder Bein davor. Klappt bei uns sehr gut.

    Liebe Grüße Vicky

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